Welt auf zwei Rädern

El Ángel

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Der letzte Tag in Kolumbien ist von Wehmut geplagt. Auf dem Rückweg von der Wallfahrtskirche Las Lajas sehen wir einen Hund direkt am Straßenrand liegen. Von weitem denken wir uns zuerst nichts, da wir mittlerweile gewohnt sind, dass Pferde, Kühe und die unzähligen Straßenhunde oft direkt den Straßenrand zum Rasten nützen. Als wir näher kommen, sehen wir jedoch, dass der arme Kerl wohl von einem Auto erwischt wurde und nur noch ganz schwach atmet. Wo wir uns Zuhause einfach ins Auto setzen und zum nächsten Tierarzt rasen würden, stellt sich dies hier als schwierig heraus. „Es ist doch nur ein Hund von der Straße. Einen Tierarzt gibt es hier in der Nähe nicht.“, das sind die Worte, die wir von einer Dame zu hören bekommen, an deren Haus wir anklopfen. Traurig können wir in den nächsten Minuten nur zusehen, wie der Hund stirbt.

Die Grenzüberquerung nach Ecuador läuft einfach und unglaublich flott ab, ein Stempel auf kolumbianischer und ein Stempel auf ecuadorischer Seite und das wars auch schon. Der erste Grenzübergang in Lateinamerika, den wir fahrend auf unseren Rädern überwinden – viel einfacher als mit dem Flugzeug. An der Grenze tratschen wir noch eine Weile mit zwei soeben getroffenen oberösterreichischen Motorradfahrern und übersehen fast schon die Zeit. Denn wir möchten unbedingt noch in den El Angel Nationalpark radeln.

Dort bedecken ganze Heerscharen, der bis zu 7m hohen Korbblütler-Art Frailejones Gigantes, die Hochgebirgslandschaft, wie überdimensionale Schafherden. Nach nicht allzulanger Zeit blicken sie uns auch schon überall entgegen und wir müssen zusehen, dass wir vor Staunen und Fotografieren nicht die Zeit übersehen. Ein Autofahrer hatte uns zuvor noch gesagt, dass es hier außer einem Bauernhof und der Hütte vom Nationalpark keine Übernachtungsmöglichkeiten gäbe. Zwar haben wir derzeit den schönsten Tag bei warmen Temperaturen, doch da uns die letzten Tage meist kalt war und wir mindestens einmal am Tag nass wurden, finden wir die Idee mit einem Dach überm Kopf reizvoller, als zu zelten. Kurz bevor es dunkel wird, erreichen wir den Bauernhof und die freundliche Ecuadorianerin, die hier mit ihren 2 kleinen Kindern auf über 3.300 m lebt, lässt uns sogar unser Zelt in einem leerstehenden Zimmer im Haus aufbauen. Direkt am Haus angrenzend stehen wir mitten auf der Weide, auf der sich abends noch Lamas und Pferde und in der Früh eine Schafherde einfinden, einen besseren Schlafplatz hätten wir uns definitiv nicht suchen können. Über Nacht schaltet das Wetter auf Kälte und Nieselregen um und wir fahren anstatt in kurzen Hosen, mit unserer warmen Kleidung samt Regenschutz am Morgen vom Bauernhof in die fabelhafte Landschaft des Paramo hinaus.

Nachdem wir, wie auch schon am Vortag, den ganzen Vormittag mutterseelenallein durch den Nationalpark geradelt sind, erschrecken wir fast, als Tim, ein britischer Radlfahrer, um eine Kurve dahergeradelt kommt. Obwohl es mittlerweile schon richtig kalt wird, unterhalten wir uns fast zwei Stunden, bei Tee aus der Thermoskanne, mit den Rädern im Nirgendwo stehend und tauschen Radlernews aus. Als er jedoch nach einiger Zeit beginnt, die ganze Geschichte zu seiner Radtour zu erzählen, sind wir plötzlich nur noch geschockte Zuhörer. Tim begann die Radtour zusammen mit seiner Frau, bei einem Unfall mit einem Auto in Bolivien wurde Tim’s Frau getötet. Nach einer Pause ist er nun wieder aufgebrochen um die Tour weiterzufahren. Auf unserer Weiterfahrt bringen wir Tim’s Geschichte nicht und nicht aus unseren Köpfen – in Gedanken versunken radelten wir weiter durch den Nationalpark.

Es ist so ruhig und einsam hier, neben Tim kamen uns in den 2 Tagen nur zwei Autos entgegen, sonst begegneten wir hier niemanden. Hier erreichten wir auch mit 3.700 m den bisher höchsten Punkt auf dieser Reise, mit unseren Rädern. Die Strecke durch den El Angel Nationalpark zählt zweifelsohne bisher zu einer unserer Lieblingsstrecken.

So herzlich aufgenommen wir uns in Kolumbien gefühlt hatten, so gastfreundlich werden wir auch in Ecuador empfangen. In der Hospedaje, in der wir abends vom Nationalpark kommend eintreffen, genießen wir nicht nur eine seit langem ersehnte richtig heiße Dusche, sondern wir werden am nächsten Tag von der gesamten Familie zu einem Aussichtspunkt chauffiert und können zum ersten Mal den Ausblick auf einige der mächtigen Vulkane Ecuadors genießen. Im Anschluss daran, erhalten wir noch einen Nachmittagsbrunch und erst dann dürfen wir weiter.

Hier gehts zu den Fotoimpressionen aus Ecuador.

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September 1, 2015 - Posted by | Ecuador

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