Welt auf zwei Rädern

El Trampolín de la Muerte

El Trampolin de la Muerte

Als wir San Agustin verlassen möchten, kommen wir nicht weit. Irgendetwas mit dem Freilauf meines Hinterrades stimmt nicht. Wir finden im Ort einen Fahrradmechaniker, der sich die Sache genauer ansieht. Die Nabe des Hinterrades ist beschädigt und muss gewechselt werden. Die Nabe kommt also raus und wird durch eine Neue ersetzt. Da auch einige Speichen beschädigt sind, werden auch diese beim Neueinspeichen des Hinterrades ersetzt. In San Agustin haben wir daher nach dem ersten Regen beim Radfahren nun also auch die erste Panne. Diese fällt dafür gleich etwas heftiger aus. Mich ärgert es, da die beiden Laufräder an meinem Velotraum neben eines Schalthebels die einzige Neuinvestition meiner Ausrüstung waren und nun, nach nicht einmal 2000km, bereits eine Nabe defekt ist. Nach 2 Stunden ist Diego, der Fahrradmechaniker, mit der Reparatur fertig, es ist allerdings schon später Nachmittag, weshalb wir noch eine Nacht im Ort bleiben und erst am 13. August weiterradeln.

Als wir San Agustin verlassen, haben wir strahlenden Sonnenschein. Es ist eine wunderschöne Strecke zurück nach Pitalito, entlang von Schluchten und Wasserfällen. Zwischen Pitalito und Mocoa werden wir zum ersten Mal wieder über 2000m radeln, danach wieder runter nach Mocoa, das auf rund 600m liegt. Wir sind schon gespannt, was uns auf der weiteren Strecke erwarten wird, ein etwas mulmiges Gefühl begleitet uns. Da taucht plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ein Reiseradler hinter uns auf. Es ist Pablo, ein 28-jähriger argentinischer Reiseradler, der nach 3,5 Jahren reiseradeln durch Asien, Afrika, Europa, Nord- und Mittelamerika nun auf dem Heimweg nach Feuerland ist. Er ist auch auf dem Weg nach Mocoa und so fahren wir für die nächsten 3 Tage zusammen weiter.

Umso näher wir Richtung Süden kommen, umso mehr nehmen die Straßenkontrollen zu. Zu Beginn sind es noch kleine Kontrollpunkte mit einigen Polizisten, doch umso weiter wir an die Provinz Putomayo kommen, nimmt das Aufgebot der Einheiten zu, bis wir schlussendlich an Panzerfahrzeugen und Granatwerfern vorbeiradeln. Doch die Lage scheint entspannt zu sein. Die Soldaten oder Polizisten wirken sehr relaxt, sind an unserer Tour und unseren Rädern interessiert und meinen, dass es auf den Straßen nach Mocoa und weiter Richtung Ecuador keine Probleme gäbe, da diese gesichert seien. Wir fühlen uns sicher hier und nutzen einen Militärposten auch als Nachtquartier. In der Nähe der Wachposten schlagen wir unsere Zelte vor einem Schulgebäude auf, solch einen gut bewachten Schlafplatz hatten wir wohl noch nie. Pablo unterhält sich mit einem jungen Soldaten über die aktuelle Lage. Dieser meint dazu nur, dass der Konflikt zwischen den Guerillas und dem Staat wohl nie wirklich enden werde, da dieser ein riesiges Geschäft sei.

Leider hat uns das schöne Wetter auf der Fahrt Richtung Mocoa verlassen. Hier brauchen wir zum ersten Mal unsere Regenausrüstung. Einmal angezogen, ziehen wir diese bis Mocoa auch nicht mehr aus. Wir dachten bisher, dass wir viel zu viel Ausrüstung mithaben, doch nun sind wir froh darüber am Abend oder am Morgen noch trockene Klamotten zur Verfügen zu haben, in die wir schlüpfen können. Kurz vor Mocoa kommt uns dann ein holländisches Paar auf ihren Reiserädern entgegen. Ein kolumbianischer Radfahrer gesellt sich noch zu uns und bei einigen Tinto`s (kolumbianischer Kaffee), werden in einem kleinen Restaurant Informationen ausgetauscht. In Mocoa bleiben wir zusammen mit Pablo für 2 Tage. Hier können wir unsere Zelte bei den Bomberos (Feuerwehr) aufschlagen. Wir dürfen noch dazu die Sanitäranlagen mitbenutzen und bekommen sogar den Zugangscode fürs Wi-Fi.

Ab Mocoa trennen sich dann wieder die Wege von Pablo und uns. Pablo fährt direkt Richtung Süden durch den Dschungel nach Ecuador, wir fahren westwärts und wagen den Andenaufstieg über el trampolin de la muerte, die kolumbianische Todesstraße. Diese Straße wollte ich unbedingt fahren und war auch Mitgrund, warum wir die östliche Route gewählt haben. Als rund 10 Kilometer nach Mocoa der Asphalt endet und die Straße in eine steinige und steile Schotterstraße übergeht, stellt Birgit ein weiteres Mal, dieses Mal jedoch vehementer, meine Routenplanung in Frage, denn wir plagen uns ganz schön, um hoch zukommen.

Es ist eine schmale Straße, die sich von 600m Meereshöhe bis auf über 3200m hochzieht. Regen, Nebel, Sonnenschein und Wind begleiten uns 3 Tage auf dem Weg bis zum Valle de Sibundoy. Immer wieder rauf und runter. Diese Strecke ist die Hauptverbindung zwischen dem südöstlichem Putomayo und dem südwestlichen Pasto, das an der Panamericana liegt. Dementsprechend viele LKWs und Busse plagen sich über diese sehr schmale Piste, welche regelrecht in die Berge gefräst geworden zu sein scheint. Auf der einen Seite geht es steil bergauf, auf der anderen oft mehrere hundert Meter in die Tiefe. Kommt Gegenverkehr, muss einer der Kraftfahrer oft meterweit zurückschieben bis der Entgegenkommende passieren kann. Nicht nur das, es sind auch mehrere Wasserfälle, die direkt über die Piste fließen und Reste von Erdrutschen, die zu überwinden sind. Dabei kam es schon oft zu tödlichen Unfällen, weshalb die Straße auch el trampolin de la muerte (als Sprungbrett in den Tod) bezeichnet wird. Die Morgenstimmung, die Ausblicke am Morgen von unserem Schlafplatz am El Mirador runter auf Mocoa und den Verlauf des Rio Caqueta Richtung Amazonastiefland, die unzähligen aufmunternden und wertschätzenden Zurufe der Bus und LKW-Fahrer, die Einladung im Restaurant am El Mirador, und das Erleben dieser mit Sicherheit schwierigsten Straße die wir je geradelt sind, machen diesen Abschnitt unvergesslich – trotzdem, mit dem Rad fahren wir diese Straße sicherlich nicht mehr.

Nachdem wir, nach den Strapazen der letzten Tage frierend in El Encano an der Laguna la cocha ankommen, entschließen wir hier einen Pausentag einzulegen, um uns etwas auszuruhen und unsere Weiterfahrt zu planen. Unsere weitere Route führt uns an Pasto vorbei auf die Panamericana. Zum ersten Mal sind wir nun also auf der legendären Straße, die Nord- Mittel- und Südamerika mit einer kurzen Unterbrechung im Darien Dschungel zwischen Panama und Kolumbien verbindet, unterwegs. Durch ein grandioses Tal führt uns die Panamericana letztendlich an die Grenze Kolumbiens mit Ecuador. Nach exakt 1 Monat verlassen wir ein tolles Land mit unglaublich vielen schönen Eindrücken und liebenswerten Menschen.

Gracias y suerte, Colombia!!!

Hier gehts zu den Fotoimpressionen aus Kolumbien.

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August 25, 2015 - Posted by | Kolumbien

1 Kommentar »

  1. Es ist immer faszinierend eure Berichte zu lesen! Sooo toll…da bekomme ich sofort Reisefieber und würd am liebsten mit euch mitfahren 😀 Wie Birgit „vehement“ die Reiseplanung in Frage stellt, hätte ich gern gesehen 😉 LG von zu Hause und bis bald!!!

    Kommentar von amayrhofer | September 23, 2015 | Antwort


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