Welt auf zwei Rädern

Chevre – Kolumbien ist Radverrückt!

Geschenke

Mit Orlando´s Beschreibung im Kopf finden wir ohne Probleme aus Bogota raus. Schnell verlieren wir an Höhe und es wird wieder wärmer. Sehr viele Radler sind auf der Straße unterwegs, man grüßt sich, es ist fast wie zuhause. Doch auch die Auto-, Motorrad-, Bus- und LKW-Fahrer hupen und zeigen den Daumen nach oben. Vereinzelt hören wir auch Nairo-Rufe (Nairo Quintana ist ein sehr bekannter kolumbianischer Rennradprofi). Einmal stoppt uns ein Motorradfahrer, reicht uns zwei kalte Wasserflaschen und fährt wieder weiter. Beim Bergauffahren werden wir oft angefeuert und von Championes-Rufen begleitet, wir erhalten auch Unterstützung durch Rennradfahrer, die uns anschieben. Bei all dieser Euphorie, glauben wir eher Teilnehmer eines Radrennens zu sein, als Radtouristen. Nur wenige Kilometer außerhalb Bogotas, treffen wir auch schon am ersten Tag den ersten Reiseradler, Camillo. Er ist, wie auch wir, am 1. August in Bogota aufgebrochen, sein Ziel ist Feuerland, der südlichste Punkt Südamerikas. Er wird die ersten Tage von zwei Freunden begleitet, ist total überladen und hat sein Rad noch nicht wirklich unter Kontrolle – er erinnert mich sehr an mich und meinen Start zur Seidenstraßentour 2008. Wir treffen uns an den folgenden Tagen immer wieder und machen zusammen Pausen. Camillo plant ebenfalls die gleiche Route durch Kolumbien wie wir, irgendwann verlieren wir uns aber aus den Augen.

Auf unserem Weg fahren wir meist am Rio Magdalena, den mit 1500 km langen wichtigsten Fluss Kolumbiens, entlang. Die kühlen Temperaturen, über die wir uns in Bogota noch so sehr gefreut hatten, sind hier endgültig vorbei, denn wir sind nun auf dem Weg in die Tatacoa Wüste. Es wird wieder heißer und heißer und der Schweiß fließt schon wieder in Strömen. Wir versuchen wieder möglichst früh loszufahren und schleppen uns dann von einer Pause zur nächsten, kühlen uns an Verkaufsständen mit dem leckeren selbstgemachten Wassereis und entdecken schlussendlich die Vielzahl an frischen Fruchtsäften. Oft tun wir uns schwer nach einer Pause an einem Obststand wieder weiterzufahren, denn frische Maracuja, Guanabana, Limonen, Papaya, Ananas Säfte mit Wasser oder Milch gemischt und dass noch eisgekühlt, die stehen bei uns nicht lange am Tisch. Strohhalm in den Mund und schon sind 0,5 Liter in unseren Mägen, lecker! Nach drei Fruchtsäften und drei Wassereis für jeden von uns, sind wir zwar wieder etwas runtergekühlt, jedoch kommen wir kaum noch auf die Räder.

In der Tatacoa Wüste erwarten uns Canyons, Felskegel, Kakteen und 45°C Mittagshitze. Zuvor müssen wir aber noch den Rio Magdalena überqueren. Von Aipe aus geht dies mit kleinen Motorkanus. Eine wackelige Angelegenheit, aber wir kommen zusammen mit unseren Rädern gut ans andere Ufer. Wir decken uns noch mit ausreichend Wasser und Essen ein und radeln zum Sonnenuntergang in die Tatacoa rein. In der Wüste finden wir einen tollen Zeltplatz direkt am Canyon vor einem Kaktus. Die Tatacoa ist von den Temperaturen ideal. Am Tag zwar heiß aber in der Nacht angenehm kühl, da kann sich der Körper wieder gut erholen.

Im Gegensatz zu Kuba zelten wir in Kolumbien viel. Es gibt Möglichkeiten bei Freibädern, in Kirchen, bei Feuerwehren oder auch bei Privatpersonen. Die Kolumbianer erleben wir als sehr aufgeschlossene, interessierte und freundliche Menschen. Kurz nach der Tatacoa Wüste fragen wir bei einer Familie, ob wir im Garten beim Schwimmbad zelten dürfen und was es kostet. Wir werden erst ins Haus gebeten, bekommen frischen Mangosaft, wir unterhalten uns gut und es wird immer später. Als wir fragen, wo wir denn unser Zelt aufschlagen dürfen, meinen Ana und Guillermo, ihr könnt im Haus schlafen, ihr seid unsere Gäste. Wir bleiben zwei Tage, zusammen kochen und essen wir, erzählen Geschichten, die Enkelkinder haben riesen Spaß mit uns Gringos und wir helfen beim Poolputz und den Vorbereitungen für das große Wochenendfest im Freibad der Familie.

Doch wie auch schon in Bogota und in anderen Orten warnen uns auch Ana und Guillermo wieder vor der Gefahr in Ihrem Land. Die Warnungen beziehen sich nicht mehr nur auf die Region Putumayo, sondern auf Orte die viel weiter nördlich als nächstes auf unserer Strecke liegen. Es scheint sich nun auch hier in Kolumbien wieder etwas zu wiederholen, dass ich auch schon von anderen Reisen kenne. Die Warnung vor Fremdem. Waren es auf meiner Seidenstraßentour etwa Griechen, die mich vor der Türkei warnten, so werden wir hier in der Stadt Neiva vor den Orten Hobo oder Garzon gewarnt. Die Kolumbianer sind jedenfalls stets um uns und unsere Sicherheit besorgt. In Girardot, einer Kleinstadt, wollen wir abends eine Campingmöglichkeit suchen, als uns ein Motorradfahrer anhält und uns eine Stunde lang durch die Stadt fährt um ein Hotel für uns zu finden, da die Stadt seiner Meinung nach sehr gefährlich sei. Wir können die ständigen Warnungen nicht wirklich einordnen, da wir uns nie, auch nur annähernd in Gefahr sehen. Trotzdem spuken diese Warnungen ständig in unseren Köpfen herum.

Am 9. August erreichen wir San Agustin und somit auch wieder kühlere Temperaturen, denn San Agustin liegt auf 1700 m. Wir haben gelesen, dass es hier viel regnet, deshalb wundern wir uns auch nicht, als wir kurz vor der Ankunft, zum ersten Mal auf unserer Reise nach fast 2 Monaten, beim Radfahren eingeregnet werden.

In San Agustin ist wieder etwas Erholung angesagt. Skypen mit der Familie, Reitausflug durch die traumhafte Umgebung und natürlich der Besuch des Archäologischen Parks, denn eine der bedeutendsten und geheimnisvollsten Fundstätten des Kontinents befindet sich hier. Wir campen im Garten der Finca von Rene, einem Schweizer Auswanderer. Er hat hier ein Hotel und eine Reiseagentur, mit ihm unterhalten wir uns mehrmals über die aktuelle Sicherheitslage und auch über unsere geplante Route. Er kennt die Gegend sehr gut und meint, dass die Warnungen der Kolumbianer übertrieben seien und sieht kein Problem, solange wir auf der Hauptstraße bleiben. Da uns auch einige Tage zuvor bereits ein Polizist bei einer Straßenkontrolle versichert hat, dass die Straße sicher sei und wir zusätzlich erfahren, dass auch die Straße von San Agustin über Popayan, welche auf die westliche Nord-Süd Verbindung (Panamericana) führt, ebenfalls zur Roten Zone zählt, ist für uns klar, dass wir unsere geplante Route über Mocoa fahren werden.

Hier gehts zu den Fotoimpressionen aus Kolumbien.

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August 13, 2015 - Posted by | Kolumbien

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