Welt auf zwei Rädern

Kuba und die Regenzeit

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Von Regenzeit ist doch keine Spur, auf Kuba herrscht Hitze pur. Darum haben wir uns die Erkenntnis des ersten Tages zu Herzen genommen und versuchen bereits sehr früh, zwischen 6 und 8 Uhr auf der Straße zu sein. Ausgerüstet mit mehreren Litern Wasser können wir so noch einige Zeit bei halbwegs angenehmen Temperaturen radeln, bevor die Sonne ab spätestens Mittag unerbitterlich runterheizt. Wir schmieren weiterhin schichtenweise Sonnencreme, bekommen aber trotzdem Sonnenbrände.

Nach wenigen Tagen erreichen wir abgekämpft mit dem Valle de Viñales das erste Highlight unserer Reise. Der Blick vom Infozentrum ins Tal hinunter lässt sofort Erinnerungen an die Halong Bucht in Vietnam aufkommen. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr raus, denn das Tal mit seinen grün überwachsenen Kegelfelsen hat etwas Märchenhaftes. Der Ausblick vom Infozentrum entschädigt jedenfalls für die Anstrengungen der letzten Tage, denn die Strecke ins Viñales Tal, über Las Terrazas und Soroa, verlangte uns einiges ab. Neben der Hitze hatten wir einige giftige Anstiege zu überwinden. Schnell ist für uns klar, dass wir hier einige Tage Pause machen werden.

Nur eine Tagesetappe vom Viñales Tal entfernt, wartet auf Cayo Jutias ein kaum touristisch erschlossener Traumstrand auf uns.
Es ist Vatertag und viele Kubaner feiern mit der Familie am Strand. Es wird gegrillt, Bier und Rum getrunken und für manche gibts sogar Lieferservice ins Meer. Dies geht den ganzen Tag so. Bei Einigen wundern wir uns, dass sie ohne Schwimmhäute aus dem Wasser kommen, denn sie waren über mehrere Stunden nicht an Land. Wir nehmen uns ein Beispiel und schon ist die Campingausrüstung hervorgeholt und wir kochen Spaghetti mit Tomatensoße, nachdem uns einer der Rettungsschwimmer noch Benzin besorgt hatte. Das weckt natürlich auch gleich das Interesse unserer Nachbarn, die uns sogleich mit Rum und Cola zu unserer Mahlzeit versorgen.
Kurz vor Sonnenuntergang wird es ruhig, die Strandurlauber fahren wieder zurück ans Festland und wir haben den Strand fast für uns allein. Hier schlagen wir auch das einzige Mal unser Zelt in Kuba auf. Womit wir allerdings nicht gerechnet haben, ist eine Unmenge an Moskitos, die sich nach Sonnenuntergang wie ein Hagelschauer auf uns stürzen. Daniel und Jose, die Security des kleinen Strandrestaurants, können aber mit einem Feuer den Angriff abwehren. Trotz unzähliger Mückenstiche verbringen wir mit den beiden einen sehr lustigen Abend.

„Kuba verändert sich.“ Eine Auswirkung der Handelsblockade seitens der USA? Die Revolutionäre wirken müde, viele junge Kubaner streben nach dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Selbst Fußball hat, so scheint es zumindest, Baseball den Rang abgelaufen. Wie auch bei uns in Europa, fiebern vor allem Männer an TV–Geräten in Bars mit ihrem Favoriten mit. Die Copa America findet gerade statt – Kuba spielt nicht mit, Argentinien verliert und Chile gewinnt, unüberhörbar und scheinbar unaufhörlich hallt ein gooooooooooooooooooooooool, g g g goooooooooooooooooool durch die Bar.

Die meisten Kubaner leben sehr einfach – klar, bei dem geringen Angebot und den niedrigen Löhnen ist das kein Wunder. In Supermärkten steht man oft vor leeren Regalen und wenn etwas vorhanden ist, dann ist die Auswahl sehr begrenzt. Keine Schokolade, oft nicht einmal Trinkwasser, dafür immer Rum und Bier in Mengen. Da erweisen sich die Cupet-Cimex Tankstellen als wahre Radleroasen. Sie finden sich in regelmäßigen Abständen und haben meist Cola, Sprite sowie Aqua frio und sogar manchmal kleine Packungen Schokokekse und dies zum günstigsten Preis. Die Bars entlang der Staßen können da so gut wie nie mithalten. Oft nur mit fleischigen Snacks sowie Rum und Bier ausgestattet, können diese zwei dehydrierte vegetarische Radler kaum glücklich machen. Will man auf Kuba ins Internet, steht man meist in einer langen Schlange vor einem Gebäude der staatlichen Telefongesellschaft Etecsa an. Hat man es dann endlich ins Innere des Gebäudes geschafft, bezahlt man 4,5 Euro pro Stunde und schläft bei der lahmen Internetverbindung fast ein.

Das Leben auf Kuba wirkt sehr offen auf uns. Selbst in Touristenstädten wie Trinidad kann man sich durch offene Fenster und Türen ein Bild vom Familienleben machen. Besonders am Abend, wenn es etwas kühler wird, erwachen die Kubaner zum Leben. In Schaukelstühlen werden sich vor dem Haus Geschichten erzählt, eine Trainingseinheit am Flachdach durchgeführt, laut Musik gemacht, getanzt und die ein oder andere Flasche Rum oder Bier getrunken und eine Zigarre geraucht. Denn das Leben ist jetzt, und morgen ist erst morgen. Wir erleben die Einwohner der größten Karibikinsel zumeist als zurückhaltende aber sehr freundliche und wenn man etwas benötigt stets hilfsbereite Menschen, in Kuba fühlen wir uns immer sicher.

Es entstehen immer wieder nette und interessante Gespräche. An einer Cupet-Cimex Tankstelle treffen wir zum Beispiel Yaniel. Er hat ein IT-Studium abgeschlossen, arbeitete danach als Programmierer für die Regierung, kündigte aber, da er als Tankwart 45 CUC (ungefähr 40 Euro) im Monat verdient, um 10 CUC mehr als bei der Regierung als Programmierer. Es ist nicht einfach von dem geringen Gehalt leben zu können, solch ein Gehalt sei aber in Kuba die Regel. Er erzählt uns, wie viele seiner Studienkollegen und Freunde aus diesem Grund die Flucht in die USA und nach Europa ergriffen.

Auf einer Tagesetappe in Westkuba überholt uns Enrique, ein Radguide der gerade auf dem Heimweg von einer 1-monatigen Radtour mit Touristen ist. Von ihm erhalten wir den Tipp, bei den Tankstellen einzukaufen. Wir haben den gleichen Weg und fahren 20 km zusammen, bis er uns schließlich eine Übernachtung bei Ihm anbietet. Er erzählt uns von den Schwierigkeiten seiner Arbeit auf Kuba, denn er muss sich alles was er zur Arbeit braucht selbst besorgen, von seinem Arbeitgeber bekommt er lediglich ein Trikot. Die Schwierigkeit dahinter ist aber, dass es auf Kuba kaum eine Möglichkeit gibt diese Dinge wie Ersatzmäntel, Flaschenhalter, Radhosen und diverses Radzubehör zu kaufen. Er ist daher auf Paketsendungen von Tourkunden angewiesen, um seinen Job ausüben zu können.

Zunehmend geht auch mir die Tatsache der beschränkten Güter auf die Nerven. Auch die Essenauswahl wird für uns als Vegetarier nach 1 Monat ziemlich einseitig. Nachdem wir die Schweinebucht entlang geradelt sind, dort einige tolle Schnorchelplätze fast für uns alleine hatten, Cienfuegos und die wunderschöne Altstadt von Trinidad und Sancti Spiritus besucht haben, wird es allmählich eintönig. Eigentlich wollten wir auch den Osten des Landes sehen, mit dem Bus hinfahren um danach retour zu radeln. Doch nach der Busfahrt von Viñales nach Jagüey Grande (Schweinebucht) wollen wir nicht schon wieder in einen Bus steigen und hoffen müssen, dass mit den Rädern alles klar geht und wir wollen auch Geld sparen. Wir entscheiden uns somit durch Zentralkuba zu fahren, um danach etwas Abwechslung auf einer der Karibikinseln zu bekommen. Unser Ziel ist Cayo Coco. So mühen wir uns bei heftigstem Gegenwind 27 km über einen Damm, doch leider kann die Insel bei uns nicht das erhoffte Karibikfeeling aufkommen lassen. Zwar gibt es mit Playa Pilar einen traumhaften Bilderbuchstrand, doch völlig überteuerte Resorts und kilometerlange Straßen durch Mangrovenwälder, die die Heimat von unzähligen Moskitos sind, sind nicht das, was wir uns erhofft haben. Die schlechte Stimmung konnte dann die rießige Flamingokolonie, an der wir bei der Rückfahrt über die Dammstraße vorbeifuhren, kurz etwas aufhellen.

Im Nachhinein betrachtet, hätten 2 Wochen Kuba vielleicht auch gereicht. Das Dumme war nur, dass die Weiterflüge bereits gebucht waren und wir uns somit selbst eingrenzten. Birgit hatte Kuba ins Herz geschlossen, aber mir fehlte die Freiheit, die ich von der Seidenstraßen-Tour kannte, weiterzufahren wenn es mir wo nicht gefällt oder länger zu bleiben, wenn es mir wo gefällt.

1 Monat lang Sommer, Sonne, Schwitzen  – Kuba war die Reise wert. Achja, schon fast vergessen: Es ist doch Regenzeit in Kuba. Dabei hatten wir das Glück, kein einziges Mal von oben nass zu werden.
Trotzdem wurde es höchste Zeit weiterzureisen.

Hier gehts zu den Fotoimpressionen aus Kuba.

 

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Juli 12, 2015 - Posted by | Kuba

1 Kommentar »

  1. Dank eurer berichte habe ich jetzt auch ein bild von kuba in meinem kopf. Wir wünschen euch für die weitere reise weiterhin einen guten verlauf und wir werden in gedanken weiter mitreisen.
    PS: tschaiko und rabea geht es gut, sie geniessen ihr pensionistendasein voll.

    Kommentar von stixis | August 1, 2015 | Antwort


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